20. März 2008

Lost in translation

In welche grossen und kleinen Fettnaepfchen man treten kann, wenn man der Sprache nicht Herr ist, durften Georg und ich gestern Abend erleben. Georg hatte vom International Office Freikarten fuer ein Konzert im Seoul Arts Center erhalten, doch leider konnten wir das beiliegende Programmheft nicht lesen. Anscheinend handelte es sich um ein Benefizkonzert der Dukchon Foundation und wir dachten uns nichts weiter dabei, als wir in einer der hintersten Reihen Platz nahmen. Der erste Auftritt eines Kammermusik Ensembles und auch das nachfolgende Streichorchester waren hervorragend, doch von da an ging es mit der musikalischen Qualitaet steil bergab. Als dann nach der Pause ein kleines Orchester auf quietschenden Violinen, kraechzenden Klarinetten und schlecht gestimmten Floeten "Somewhere over the Rainbow" anstimmte und dazu ein Truppe alter Ajummas rhytmische Tanzgymnastik vortrug, dachten wir endgueltig, wir sind im falschen Film. Das Publikum brach in begeisterten Applaus aus und wir schuettelten nur unseren Kopf. Unbeholfen drehten sich die Musiker Richtung Konzertsaal, fuchtelten mit ihren Geigenboegen oder sprangen auf und ab. Und langsam daemmerte es uns: wir waren in ein Benefizkonzert fuer und mit autistischen jungen Menschen geraten, die fuer ihre starke Einschraenkung ein tolles Konzert vorgetragen haben, und wir fuehlten uns sehr beschaehmt ueber unser vorschnelles Urteil. Und ich glaube, damit sollte ich mich dann auch wieder an meine Koreanischhausaufgaben setzen...

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Liebe Lisa,
wir sind von Deinen Fotos und den von Dir berichteten Erlebnissen total begeistert.
Du hast uns Südkorea, Seoul und seine Menschen eindrucksvoll näher gebracht.
Wir sind schon jetzt sehr gesapannt auf Deine weiteren Geschichten und Bilder!!!
Grüße Georg ganz herzlich und auch unbekannterweise Deine beiden Kommilitoninnen, die einen sehr sympathischen Eindruck machen.

Bis bald, Oma, Opa und Mama, Papa und Kathrin

Anonym hat gesagt…

liebe lisa,
ich habe gerade deinen blog gelesen. einfach wunderbar, wie du beobachtest und beschreibst. hut ab! erwarte gespannt deine nächsten geschichten!
alles liebe und weiterhin einen so offenen und vorurteilsfreien blick!
deine manuela (mit innigen grüßen an georg)

Anonym hat gesagt…

hi,lisa,

die zeit vergeht so schnell, wie pfeil (das ist ein koreanischer ausdruck).
schön von Dir zu lesen und zu sehen.
ich habe manchmal ganz laut lachen müssen. echt lustig war das.

ajumma, der ausdruck weist nicht nur auf die älteren frauen hin, die sich mit dem verkaufen beschäftigen, sondern das wort ist eine bezeichnung der verheirateten frauen in korea. aber, Du sollst das wort sehr vorsichtig verwenden, denn die koreanischen frauen ab gewissem alter reagieren sehr empfindlich drauf. die frauen, die von Dir als ajumma benannt wurden, werden mit Dir sicher keine freundschaft beschließen. lieber solltest du das wort "onni" nehmen. die bedeutung weißt Du. aber na? wie ist dein koreanisch geworden? vielleicht als deine ehemalige sprachlehrerin (^^) bin ich halt neugierig.

martin und peter fragen ab und zu nach Dir. martin bedauert ja, dass er mit dir nicht tanzen konnte. hoffentlich geht es Dir und Georg gut. richte bitte schöne grüße an georg aus.

liebe grüße und unarmung
miyoung, münchen