4. Juni 2008

Sandy white Beaches, I come!


Die Zeit hat den Warp Speed eingeschaltet und schon bin ich am Ende meines Auslandssemesters angelangt. Noch ein paar Klausuren, noch ein bisschen EM gucken und dann geht es schon nach Hainan: zwei Wochen Urlaub, zwei Wochen Volunteer Workcamp. Erst wollte ich aus persoenlichen und ethischen Gruenden nicht nach China, aber letztenendes war das Workcamp auf Hainan sowohl von der Arbeit also auch von der Umgebung und der Zeit das einzige passende Angebot. Manchmal oeffnet sich eine Tuer eben ganz weit und dann muss man einfach hindurchgehen. Hainan ist eine grosse Insel ganz im Sueden Chinas (Suedostasien) und hat einen aehnlich unabhaengigen Status wie Hongkong. Sowohl innenpolitisch als auch gesundheitlich ist es dort deutlich sicherer als in vielen anderen Teilen Suedostasien, wie zum Beispiel den Philippinen, die ich zuerst in Betracht gezogen hatte. Die Insel lockt mit kilometerlangen, weissen Sandstraenden, Kokospalmen, gegrillten Gambas zu Schaeppchenpresien, einer multiethnischen Bevoelkerung und subtropischem Regenwald im Inland. Das Workcamp liegt in einem kleinen Kokosbauerndorf und meine Aufgabe wird es vor allem sein die lokalen Englischlehrer zu unterstuetzen und in einer Gegen ohne Internet soetwas wie Horozonterweiterung zu bieten. Das funktioniert natuerlich in beide Richtungen und ich sehe fuer mich keinesfalls einen "aufklaererischen Auftrag. Aber keine Begegnung bleibt ohne Wirkung und wenn man sich gegenseitig Anstoss zur Wertereflektion gibt, ist schon alles gewonnen.

21. Mai 2008

Coming of Age


Wie Ihr ja alle wisst, bin ich gerade erst zwanzig geworden ^^ und durfte deshalb ehrenhalber an der "Coming of Age Ceremony" vor der Seouler Stadtverwaltung teilnehmen. Diese wird jedes Jahr von der Stadt Seoul ausgerichtet um den alten konfuzianistischen Brauch der Aufnahme von jungen Menschen in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufrecht zu erhalten. Ein paar Internationals und ich wurden zusammen mit ca. 200 Koreaner/innen in ein traditionellles Hanbok gekleidet und festlich hergerichtet. Wie man auf den Fotos sehen kann, wurden meine Haare in eine recht gewoehnungsbeduerftige, koreanische Scheitelfrisur gekaemmt und mit einem roten Band geschmueckt. Wahrend der Zeremonie sassen wir man im Schneidersitz vor kleinen Tischen mit Tee und Reiskuchen. Es wurden verschiedene Verbeugungen und Kniefaelle durchgefuehrt und der Hoehepunkt der Zeremonie bestand darin, dass den Frauen die Haare hochgesteckt werden; ein Zeichen von Reife. Mir wurde die grosse Ehre zu Teil, dass der Buergermeister von Seoul meine Haare hochsteckte. Die Presse war absolut verrueckt und hat sich um die besten Bilder von den Langnasen gerissen. Dabei wurde durchaus gerempelt und geschimpft und ich war so aufgeregt, dass ich nicht wusste ob ich laut lachen oder mich unter dem kleinen Tischchen verstecken soll. Es ist sehr seltsam wie ein Celebrity behandelt zu werden, nur weil man gross, blond und langnasig ist. Ich habe mein Bestes gegeben zwie Stunden lang dekorativ auszusehen und so waren am naechsten Tag auch jede Menge Bilder von mir in den Zeitungen. Es war in jedem Fall eine einmalige Erfahrung und es hat mir sehr viel Spass gemacht mal so ein festliches Hanbok zu tragen.

6. Mai 2008

Come a little closer...


Den freien National Children's Holiday verbrachten Georg und ich im viel gelobten Dragon Hill Spa, eine Art edlem Jimjilbang. Die Bilder auf der Website vermitteln zwar ein etwas uebertriebenes Bild, handelt es sich doch eher um ein Familienbad als um ein Edelspa, aber gefallen hat es uns trotzdem.
Aber vielleicht erstmal von vorne: wie auch sonst ueberall zieht man gleich am Eingang die Schuhe aus und stellt sie in ein kleines Schließfach. Von da an geht es barfuss weiter. Man bekommt eine kurze Stoffhose und ein T-Shirt aus Baumwolle, denn der geschlechtergemischte Bereich wird niemals nackt betreten! Diese fesche Kluft haben wir uns dann angelegt und uns ins allgemeine Treiben gestuerzt. Das Dragon Hill Spa bietet verschiedenste Saunen, wie man sie auch aus Europa kennt. Der Unterschied ist nur, dass man eben die Kleidung anbehaelt, auf dem Boden anstatt auf Baenken sitzt und es auch keine Aufguesse gibt. Eine Eiswasserdusche danach ist auch nicht angesagt, anstattdessene laesst man sich einfach abkuehlen oder betritt den auf 9 Grad gekuehlten Eisraum. Im grossen Relaxbereich liegen steinharte Kissen und Matten aus, auf denen man schlafen kann. Mir gefaellt dieser Teil des Jimjilbangs nicht so, besonders die Klamotten stoeren mich und es ist oft zu laut. Deswegen haben Georg und ich uns nach einem Besuch auf der kleinen Dachterasse in die geschlechtergetrennten Bereiche begeben. Und hier beginnt der spannende und angenehme Teil der Geschichte. So pruede die Koreaner untereinander scheinen moegen, im Frauenbereich fallen alle Hemmungen. Alle laufen nackt ohne Handtuch oder Bademantel herum und man sitzt gemeinsam in verschieden heissen Wasserbecken oder schrubbt sich gegenseitig den Ruecken. Es gibt viele kleine Waschstationen, d.h. eine Marmorbank fuer die Sachen mit einem Duschkopf, einen Hocker zum Draufsetzten und einen Spiegel. Dort geht man wie im guten alten Rom der oeffentlichen Koerperpflege nach. Zunaechst duscht man sich einfach ab und viele Frauen tragen dann zunaechst eine Gesichtsmaske auf. Dann gibt man ein wenig von der eigenen oder oeffentlichen Seife auf einen recht rauen Handschuh und schrubbt sich damit komplett von oben bis unten ab, bis die Haut rosig und weich wird. Manche putzen sich dort auch die Zaehne oder rasieren sich, zuletzt werden die Haare gewaschen. Wenn man es richtig machen moechte, kann man auch eine Ajumma dafuer bezahlen dass sie einen professionell waescht. Erst habe ich mich nicht getraut, aber dann dachte ich, dass das doch eine der elementaren koreanischen Erfahrungen ist und habe mir eine nett laechelnde, kleine Ajumma ausgesucht. Man begibt sich also zu einer der mit Kunstoff bezogenen Liegen und legt sich dort hin - komplett nackt wohlgemerkt! Die Ajumma, welche selbst nicht mehr als ein bisschen Unterwaesche traegt, nimmt dann den rauhesten Waschlappen (den gelben) und schrubbt einen damit von oben bis unten so richtig kraeftig ab. Dabei kommt bei so Langnasen wie mir, die dass noch nie in ihrem Leben gemacht haben, ne ganze Menge alte Haut runter, das ist wirklich unglaublich. Manchmal tut es fast ein bisschen weh aber insgesant ist es ein angenehme Erfahrung von jemand anderem so greundlich gewaschen zu werden. Die Ajumma schrubbt einen wirklich KOMPLETT von oben bis unten und das meine ich woertlich! Danach wurde ich mit dampfend heissen Handtuechern belegt, weich geklopft und komplett mit Aromaoel uebergossen, welches mit kleinen Schlaegen in die Haut einmassiert wird. Man fuehlt sich wie neu geboren, mindestens zwei Kilo leichter und die Haut ist so weich wie seit Babytagen nicht mehr!

2. Mai 2008

Korea Sparkling

Wer etwas ueber die Wuensche, Hoffnungen und Selbstwahrnehmung der Koreaner lernen moechte, dem sein eines der vielen Promotion Videos empfohlen. Die gezeigten Eindruecke sind sicherlich nicht ganz falsch, aber vieles ist doch eher eine optimistische Zukunftsvision als tatsaechliche Realitaet.
Vaeter die mit Ihren Toechtern am Han River Fahrrad fahren und nicht ihrer Frau alle Familienangelegenheiten ueberlassen? Konfuzianistische Tradition und technologischer Fortschritt im Einklang? Fliessender Verkehr und gruene Lungen in der Haupstadt des Smog?



Interessant dass Wirtschaft als erstes Thema so ausfuehrlich behandelt wird. Das spiegelt meiner Meinung nach die "neue" Kapitalismus Orientierung ganz gut wieder. Diese steht jedoch in einem starken Kontrast zu den traditionellen konfuzianistischen Werten, die den Gelderwerb als unwuerdige Beschaeftigung betrachten und sich auf Bildung und soziale Aufgaben konzentriert. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung, der technologische Fortschritt und die rapide Urbanisierung gehen keinesfalls mit einer angemessenen Entwicklung der Kultur und Gesellschaft einher. Korea steckt hier eher in einer Identitaetskrise und muss wohl in den kommenden Jahrzehnten noch fuer sich herausfinden was fuer ein Land es sein will. Denn derzeit ist es vor allem ein Land der steten und schnellen Veraenderung und des Schwankens zwischenTradition und Fortschritt.

26. April 2008

TGIO - Thank God It's Over

Die Midterm Exams sind endlich vorbei und ich sehe wieder Tageslicht. Natuerlich schien vorige Woche die Sonne mit sommerlichen 25 Grad, waehrend es jetzt schon seit Tagen regnet. Kein Grund das Erreichen des ersten Etappenziels nicht ordentlich zu feiern. Donnerstagabend war ich auf einer grossartigen, ungeplanten TGIO-Party auf der sogenannten "Well-Being Street"; einer Strasse direkt neben dem Campus auf der sich Kneipen, Restaurants und Billardbars aneinander reihen. Spontan trafen sich viele Austauschstudenten und Koreaner in der Bar Fiesta, einem dunklen Kellerschuppen, der besonders fuer seine guenstigen Preise bekannt ist. Das Bier wurde in grossen Pitchern bestellt und der Soju floss ebenfalls literweise....der Rest ist dann wohl Geschichte! ^^ Man beachte besonders unsere "Gute-Laune-Brille"!



Freitagabend kamen Georg und ich dann dank unseres Freundes Christopher in den Genuss von erstklassigem Fusion Food. Ueber seine Freundin hatte er einen Restaurantmanager aus dem Seoul Finanzdistrikt kennengelernt, der uns in einem seiner Toprestaurants zum Freundschaftspreis verwoehnt hat. Es gab hausgemachte Fruehlingsrollen, Shrimp im Reisteigmantel, Salat mit hauchduennem, gegrilltem Rinderfilet und suesser Chilisosse, Pizza mit viel Kaese (etwas Besonderes in Korea), Fisch in Honigmarinade, Kalbsgulasch mit Reis, japanische Nudeln mit Meeresfruechten und ein kleines Cremedessert. Dazu haben wir sehr gute Rotweine getrunken; mein Favorit: 2005er Cabernet Sauvignon, Torres. Nach diesem vorzueglichen Abendessen wurden wir dann auch noch zu unseren neuen Bekannten nach Hause eingeladen und dort mit Whiskey und frischem Obst verwoehnt. Besonders interessant fand ich unser Gespraech ueber den Import von auslaendischen Waren nach Korea. Viele kleine Unternehmer und auch grosse Firmen haben sich hieran wohl schon die Finger verbrannt. Der koreanische Konsument ist unheimlich schwer zu kategorisieren, der diversifizierte und hart umkaempfte Markt sehr schwer fuer sich zu gewinnen. Jedes Jahr entwickeln sich hunderte neuer Trends und was heute noch "in" war, kann morgen schon nicht mehr von Interesse sein.

7. April 2008

Cherry Blossom

Vergangenes Wochenende bin ich mit Hong-Geun (Korea), Guni (Korea, mein Buddy), Linds (USA), Sebastian (Australien), Nozomi (Japan) und Georg in den Sueden Koreas gereist. Hong-Geuns Vater arbeitet die Woche ueber in Busan und so konnten wir am Wochenende in seinem leerstehenden Apartement schlafen. Freitag nachmittag nahmen wir den KTX (koreanischer ICE) und kamen am fruehen Abend in Busan an. Nachdem wir unsere Sachen abgeladen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hafen um die lokale Spezialitaet zu probieren - rohen Fisch. Und ich meine nicht so ein bisschen rohen Fisch wie bei Sushi sondern grosse Platten rohen Fisches, seltsames Seegemuese und frisch gehackter Tintenfisch. Letzterer gilt als besondere Delikatesse, kostet aber einige Ueberwindung, da er nach dem Zerhacken aufgrund von Muskelreflexen noch munter auf dem Teller herumkriecht. Ich hab mich erst schrecklich geekelt, aber dann war ich doch zu neugierig, habe ein kleines Tentakelchen probiert und es war sogar sehr lecker!



Damit der Fisch besser schwimmt, spuelten wir mit ordentlich Soju nach und als wir das Restaurant verliessen, waren alle in Laune fuer Norae Bang. Ich hatte noch nie soviel Spass dabei, mir kollektiv die Seele aus dem Leib zu groehlen ^^
Am naechsten Morgen quaelten wir uns frueh aus den Laken um uns die wunderschoene Kirschbluete in Jinhae anzuschauen. 22.000 Kirschbaeume kleiden die gesamte Stadt in ein festliches Weiss und die gefallenen Blueten schimmern in der Fruehlingssonne. Staunend spazierten wir durch die Stadt und entlang des Kanals. Auf dem Festival gab es viele kleine Staende mit seltsamen Spezialitaten, wie frittierte Seidenlarven, frischer Hai und ganze gebratene Wachtelkueken. Die Matrosen der lokalen Marineakadmie hatten fuer das Festival freibekommen und einer war mutig genug mich nach einem Foto mit ihm zu fragen. Die anderen haben nur nach der einzigen blonden Frau in der Stadt geguckt und wie die Schulmaedchen gekichert, mit denen sich Georg fotografieren liess. Wir machten viele Bilder, schlenderten um den See und machten uns dann auf den Rueckweg. Zurueck in Busan genossen wir ein besonders duenn geschnittenes Samgyopsal und vielen dann todmuede in unsere Betten.
Am Sonntag ging es wieder frueh raus und nachdem wir uns mit ein paar pappigen Teilchen und zu suessem Kaffee ausgestatten hatten, nahmen wir einen Expressbus nach Kyongju. Kyongju war 900 Jahre lang die Hauptstadt des Shilla-Reiches und ist eines der lohnenswertesten Ausflugsziele in Korea. An dem einen Tag konnten wir uns nur eine sehr kleine Auswahl der Palaeste, Tempel und Artefakte anschauen, aber ich werde auf jeden Fall nochmal hinfahren. Zuerst besuchten wir eine riesige Tempelanlage und genossen dabei besonders das fruehsommerliche Wetter. Dann besuchten wir die Huegelgraeber, die juengeren, koreanischen Brueder der aegyptischen Pyramiden.



Es hat mir super viel Spass gemacht mit Menschen aus so unterschiedlichen Laendern unterwegs zu sein. Wir haben viel uebereinander gelernt und gemeinsam etwas ueber Korea gelernt und hatten dabei jede Menge Spass!

31. März 2008

Beyond Borders

Heute hatten ich und zwei Kommilitonen die wahrscheinlich einmalige Chance mich mit einem Chinesen offen ueber die Situation in Tibet und die Haltung der chinesischen Regierung zu unterhalten. Trotz des brenzligen Themas ist er sehr ruhig geblieben und hat versucht uns seine Weltsicht etwas naeher zu bringen. Leider war seine Sicht, meiner Meinung nach, von einer systematischen Gehirnwaesche gepraegt und wann immer er sich in problematischen Formulierungen zu verheddern drohte, fluechtete er sich in offensichtlich auswendig gelernte Vorformulierungen. Aber sind es nicht gerade auch diese Erfahrungen, die ein Auslandssemster so wertvoll machen?
Seine Sichtweise hier darzulegen, waere zu aufwendig und kompliziert, aber mir sind waehrend unserem Gespraech folgende Dinge nochmal sehr deutlich geworden: meine westliche Weltsicht ist ebenso von Medien und Gesellschaft gepraegt und es ist unglaublich schwer sich zu solch komplizierten Themen eine reflektierte Meinung zu bilden. Die verfuegbaren Informationen scheinen irgendwie immer eingefaerbt und verzerrt zu sein. Darueber hinaus fuehle ich mich in meiner (nicht unbedingt populaeren) Sichtweise bestaerkt, dass eine Unabhaengigkeit Tibets fuer die Menschen dort nicht notwendigerweise erstrebenswert ist. Troztdem waere ein offener und gewaltfreier Dialog der Beteiligten die einzig wuenschenswerte Loesung.

20. März 2008

Lost in translation

In welche grossen und kleinen Fettnaepfchen man treten kann, wenn man der Sprache nicht Herr ist, durften Georg und ich gestern Abend erleben. Georg hatte vom International Office Freikarten fuer ein Konzert im Seoul Arts Center erhalten, doch leider konnten wir das beiliegende Programmheft nicht lesen. Anscheinend handelte es sich um ein Benefizkonzert der Dukchon Foundation und wir dachten uns nichts weiter dabei, als wir in einer der hintersten Reihen Platz nahmen. Der erste Auftritt eines Kammermusik Ensembles und auch das nachfolgende Streichorchester waren hervorragend, doch von da an ging es mit der musikalischen Qualitaet steil bergab. Als dann nach der Pause ein kleines Orchester auf quietschenden Violinen, kraechzenden Klarinetten und schlecht gestimmten Floeten "Somewhere over the Rainbow" anstimmte und dazu ein Truppe alter Ajummas rhytmische Tanzgymnastik vortrug, dachten wir endgueltig, wir sind im falschen Film. Das Publikum brach in begeisterten Applaus aus und wir schuettelten nur unseren Kopf. Unbeholfen drehten sich die Musiker Richtung Konzertsaal, fuchtelten mit ihren Geigenboegen oder sprangen auf und ab. Und langsam daemmerte es uns: wir waren in ein Benefizkonzert fuer und mit autistischen jungen Menschen geraten, die fuer ihre starke Einschraenkung ein tolles Konzert vorgetragen haben, und wir fuehlten uns sehr beschaehmt ueber unser vorschnelles Urteil. Und ich glaube, damit sollte ich mich dann auch wieder an meine Koreanischhausaufgaben setzen...

19. März 2008

Lifestyle of the rich and the famous

Einmal V.I.P. auf der angesagtesten Party der Stadt - davon traeumt jeder mal. Dank unserer Bekanntschaft mit Richard Choi, einem koreanischen TV-Comedian, wurden ein paar Internationals und ich am Samstag als exklusive Gaeste zur "Blue Spirit Party" ins Walkerhill Sheraton ****** eingeladen. Dieser Luxuskomplex liegt auf einer Anhoehe im teuersten Stadtteil Seouls und beherbergt u.a. eines der wenigen koreanischen Casinos. Wir bekamen unseren eigenen Tisch in der V.I.P. und hatten einen super Blick auf die Buehne, wo an diesem Abend einige Groessen der ost-asiatischen Elektro-Sezene auftraten.
Besonders lustig war es mit unserem Freund Alpha, einem 200Kilo-Koloss aus Saomoa. An und fuer sich schon eine eindrucksvolle Erscheinung, hatte er sich an dem Abend in einen feinen Anzug geschmissen und sah damit aus wie unser persoenlicher Bodyguard.



Ich hatte durchaus meinen Spass, aber in dieser kuenstlich-dekatenten Umgebung, mit den vielen extravaganten Menschen und den skurillen Videoinstallationen fuehlte ich mich nicht wirklich wohl. So war ich dann doch eher interessierter Beobachter, als wirklich Teil der Party.

16. März 2008

West Sea Islands

Wer das "echte" Korea erleben will, muss raus aus der Millionenmetropole Seoul. Roos (aus Maastricht), Clemence (aus Nantes) und ich haben uns getraut und sind zwei Tage raus auf die West Sea Islands gefahren. Unser erster Stop war Ganghwa-do, eine der groesseren Inseln, die dank einer Bruecke mit dem Festland verbunden ist. Waehrend der zweistuendigen Ruckeltour mit dem Bus traeumten wir von Sandstraenden und Uferpromenaden, Moewen und Latte Macchiato in der Fruehlingssonne. Leider endete unsere Busfahrt aber in einer haesslichen und zersiedelten Kuestenstadt, mit einem Betonklotz-Busbahnhof zur Linken und einem abgeernteten Reisacker zur Rechten. Wir hielten kurz inne, sortierten unsere Erwartungen, stellten in den Abenteuer-komme-was-wolle-Modus um und machten uns gut gelaunt auf die Suche nach Mittagessen.

In der Naehe befand sich ein grosses Marktgebaeude, in dem Ajummas ihren Knoblauch, getrockneten Fisch und traditionelle Heilkraeuter zum Kauf anboten. Wir muessen die ersten hochgewachsenen Langnasen seit langem gewesen sein, denn es wurde getuschelt und geglotzt und manch eine Mutigere wollte unser Urteil zu ihren eingelegten Tintenfischen oder Krabbenbeinen wissen. Im Obergeschoss befanden sich viele kleine Garkuechen und auch hier bot man uns ueberaus hoeflich jeden freien Platz an. Da Roos und Clemence keinerlei Koreanischkenntnisse haben und meine kulinarisches Vokabular auch sehr beschraenkt ist, waehlten wir einen Stand mit anschaulichen Fotos.


Die Sehenswuerdigkeiten der Insel stellten sich als nicht unbedingt sehens-wuerdig heraus, aber wir genossen es sehr mal aus der Stadt raus zu sein. Wir spazierten in der Festungsanlage herum, machten ein Nickerchen auf der Wiese, aßen Eis in der Fruehlingssonne und sogen die Seeluft tief in unsere Grossstadtlungen. Der groessere Wert der Reise lag in den interessanten und teilweise auch abenteurlichen Begegnungen mit Koreanern, insbesondere aufgrund der fehlenden Englischkenntnisse ihrer- und geringen Koreanischkenntnisse meinerseits:

Die Museumswaechterin
Besorgt um unser Wohlergehen und wohlwissend, dass die Busse auf Ganghwa-do eher selten fahren, telefonierte diese alte Dame uns ein Taxi herbei. Trotz meiner bescheidenen Koreanischkenntnisse haben wir uns verstaendigt und ihr Laecheln ermunterte mich, ein paar mehr Saetze zu probieren. Und waehrend wir in der Sonne auf unsere Mitfahrgelegenheit warteten, bot sie uns ihren guten Instant Coffee an.

Der Taxifahrer
Trotz klarer Anweisungen uns zur Westkueste der Insel zu bringen, versuchte er es mal mit einer kleinen Inselrundfahrt und steuerte den naechsten Palast an. Etwas enttaeuscht ueber unsere Beharrlichkeit, auch was den vorher vereinbarten Preis angeht, fuhren wir weiter. In bester koreanischer Taxifahrermanier trat er ordentlich aufs Gaspedal und jagte uns mit 120km/h durch enge Alleen und bremste vor Hubbeln scharf ab um dann gleich wieder mit quietschenden Reifen durchzustarten. Als Dolmetscherin sass ich auf dem Beifahrersitz und waere vor Angst fast gestorben!

Der Jugendherbergsvater
Unsere Nacht verbrachten wir Ondol in einer voellig lehren Jugendherberge, was wohl an der Jahreszeit liegen muss. Ein bisschen unheimlich, vor allem weil der eigentlich sehr freundliche Jugendherbergsvater und durch seine 5cm dicke Hornbrille anschielte.

Der Restaurantbesitzer
Auf der Suche nach einem Abendessen, fanden wir nur Fischrestaurants. Diese servieren jedoch nur den als Spezialitaet angesehenen und daher sehr teuren rohen Fisch, auf den wir uns eh nicht so ganz einlassen wollten. Kurz bevor wir aufgaben, fand sich dann aber doch ein einladendes Lokal mit erschwinglichen Speisen. Diese waren jedoch aufgrund meines abermals geringen kulinarischen Vokabluars nur schwer zu identifizieren und so gestikulierte ich eine ganze Weile mit dem sehr geduldigen Restaurantbesitzer herum, bis klar war, dass es sich jedenfalls nicht um lebendigen Oktopus handelt. Anstattdessen bekamen wir eine hervorragende Fischsuppe mit vielen aussergewoehnlichen side dishes.

Die Rock-Family
Muede vom Tag, wollten wir nur noch schnell auf eine heisse Schokolade in ein amerikanisch angehauchtest Rock-Cafe einkehren. Als die einzigen Gaeste, trafen wir dort auf einer sehr lustige und gastfreundliche Rockfamilie. Die Mutter fuetterte uns armen Maedchen (soweit weg von zu hause!) mit allem was sie in ihrer Kueche noch so finden konnte. Waehrenddessen unterhielt uns der Vater live mit E-Gitarre und schmetterte ein paar alte Songs von Bob Dillan und den Scorpions. Die Tochter, eine tradtionelle Kuenstlerin, beschenkte uns mit ihren White Day Suessigkeiten und liess uns mal ihre Pinsel und Tusche probieren.

Der Wanderer
Am naechsten Tag, auf unserem Weg zum Bomunsan-Tempel haetten wir lange auf einen lokalen Bus warten muessen. Also fragte ich auf der Faehre einfach eine groesser Reisegruppe im Tourbus, ob sie uns nicht ein Stueckchen mitnehmen koennten. Freundlich wurden wir aufgenommen, mit allerlei Proviant ausgestattet und direkt an unserem Ziel abgesetzt.

Der Moench
Im Bomunsan-Tempel kann man fuer ein paar Won einen Ziegel zum Wiederaufbau mit einer persoenlichen Widmung oder einem gebet beschriften. Roos, Clemence und ich gestalteten einen dreisprachigen Wunschziegel und bekamen dafuer von dem Moench promt eine der koestlichen Nashi angeboten.




9. März 2008

Bukchon - eine Oase der Ruhe

Nachdem es mir letzte Woche etwas viel wurde mit allem, bin ich heute einfach mal alleine losgezogen und habe mitten in Seoul eine Oase der Ruhe entdeckt. Das Stadtviertel Bukchon liegt super-zentral in der Naehe der Anguk Station und ist doch eine ganz andere Welt. Kaum verlaesst man den Grossstadtlaerm und laeuft den Huegel hinauf, findet man sich in engen Gassen zwischen traditionellen, koreanischen Haeusern (Hanok) wieder. Die verwinkelten und kunstvoll gestalteten Daecher ducken sich dicht an dicht und nur zu gerne moechte man einen Blick in einen der kleinen Innenhoefe wagen.



Am hoechsten Punkt des Huegels angekommen, geniesst man einen atemberaubenden Blick auf die Hanok-Daecher, die den Huegel wie ein Schildkroetenpanzer bedecken und in der Ferne heben sich der Millenium Tower und Namsan Tower blau aus dem Dunst ab.



In einer der Gasssen entdecke ich ein kleines Museum fuer folkloristische Kunst. Leider finde ich keine Informationen auf Eglisch, aber ich geniesse einen gruenen Tee im Innenhof. Mit Hilfe einer jungen Kunststudentin drucke ich ein altes Tigermotiv auf handgeschoepftes Papier. Ein alter Mann erklaert mir, dass es sich bei der laechelnden Schmusekatze um den friedlichen und scheuen koreanischen Tiger handelt, während der agressive Tiger aus dem Korea University Logo der japanische ist. Ein interessantes Bild fuer das historische Selbstverstaendnis der Koreaner und nicht das erste mal, dass ich damit konfrontiert werde.

Urban lifestyle

Meine erste Woche Vorlesungen lief gut, aber war bisher ja auch nur Einführung. Mal sehen, wie's kommende Woche wird, wenn's dann richtig losgeht. Ansonsten erlebe ich hier jeden Tag Neues. Alles schrecklich aufgregend, interessant und anstrengend. Wenn ich mich hier so alleine durch die Strassen treiben lasse, erlebe ich Seoul manchmal wie als eigenstaendigen riesigen Organismus mit einem schnellen Puls, der sich staendig transformiert. Die Menschen stroemen wie Blut durch die Adern Seouls und Neuankoemmlinge werden innerhalb kuerzester Zeit verschluckt. Wer bisher dachte, Berlin sei eine grosse Stadt und New York das pulsierende Leben, der sollte mal nach Asien kommen. Das Lebensgefuehl einer Millionenmetropole ist nahezu unbeschreiblich. Mitte letzter Woche wurde es mir alles zu viel. Ständig diese vielen Menschen um mich rum, der Lärm, die Leuchtreklame und Beschallung. Sich mal zurückziehen ist fast nicht möglich. Denke mal, das war das erste kleine bisschen Kulturschock.

24. Februar 2008

Kimchi vs. Wuerschtel

Letzte Woche Donnerstag bin ich mit 26 Kilo Uebergepaeck und zwei grossen Handgepaeckstuecken in Frankfurt gestartet und am darauffolgenden Mittag nach 11 anstrengenden Stunden in einem viel zu engen Lufthansaflieger in Seoul gelandet. Georg hat mich am Flughafen abgeholt und wir sind gemeinsam zu unserer neuen Bleibe in Jeongam-dong gefahren. Dank des unkreativen Einsatzes von Beton und der starken Luftverschmutzung, sehen viele Gebaeude hier von aussen nicht besonders einladend aus. Unser Zimmer ist jedoch, wie alle auf dem Flur, erst vor wenigen Monaten renoviert und neu eingerichtet worden und von daher sehr gemuetlich. In Millionenstaedten wie Seoul steht einem zwar grundsaetzlich einfach weniger Platz zur Verfuegung, aber daran gewoehnt man sich schnell. Georg und ich haben uns dazu entschieden, anstatt zwei getrennten Zimmern doch nur eins zu nehmen. Erstens werden wir eh nicht viel Zeit zu Hause verbringen und diese dann auch gerne zusammen sein und zweitens entlastet das unser Budget deutlich. Wir optimieren noch mit den Moebeln und der Einrichtung herum, aber sobald alles seinen endgueltigen Zustand erreicht hat, poste ich ein paar Bilder. Interessantes Detail bisher: unser Vermieter möchte die komplette Miete in Cash vorab, weswegen wir derzeit eine Badewanne voll 10.000er Scheine zu Hause haben.

Vergangene Woche war Georgs letzte Arbeitswoche bei SK telecom. Leider hat er sich dort beim Basketballspielen am Knoechel verletzt und traegt nun einen Gips. Er hatte schon fuer seinen Ausstand bei SK deutsche Wuerstchen mit Senf und Brezeln bestellt, war aber ja dann am Donnerstag nicht mehr selbst in der Lage alles vorzubereiten und die Leute zu bewirten. Deswegen hatten wir spontan die Idee, dass ich mit meinem Dirndl vorbei kommen koennte, und das habe ich dann auch gemacht. Alle waren total begeistert von dem Essen und viele wollten Fotos mit mir machen.