16. März 2008

West Sea Islands

Wer das "echte" Korea erleben will, muss raus aus der Millionenmetropole Seoul. Roos (aus Maastricht), Clemence (aus Nantes) und ich haben uns getraut und sind zwei Tage raus auf die West Sea Islands gefahren. Unser erster Stop war Ganghwa-do, eine der groesseren Inseln, die dank einer Bruecke mit dem Festland verbunden ist. Waehrend der zweistuendigen Ruckeltour mit dem Bus traeumten wir von Sandstraenden und Uferpromenaden, Moewen und Latte Macchiato in der Fruehlingssonne. Leider endete unsere Busfahrt aber in einer haesslichen und zersiedelten Kuestenstadt, mit einem Betonklotz-Busbahnhof zur Linken und einem abgeernteten Reisacker zur Rechten. Wir hielten kurz inne, sortierten unsere Erwartungen, stellten in den Abenteuer-komme-was-wolle-Modus um und machten uns gut gelaunt auf die Suche nach Mittagessen.

In der Naehe befand sich ein grosses Marktgebaeude, in dem Ajummas ihren Knoblauch, getrockneten Fisch und traditionelle Heilkraeuter zum Kauf anboten. Wir muessen die ersten hochgewachsenen Langnasen seit langem gewesen sein, denn es wurde getuschelt und geglotzt und manch eine Mutigere wollte unser Urteil zu ihren eingelegten Tintenfischen oder Krabbenbeinen wissen. Im Obergeschoss befanden sich viele kleine Garkuechen und auch hier bot man uns ueberaus hoeflich jeden freien Platz an. Da Roos und Clemence keinerlei Koreanischkenntnisse haben und meine kulinarisches Vokabular auch sehr beschraenkt ist, waehlten wir einen Stand mit anschaulichen Fotos.


Die Sehenswuerdigkeiten der Insel stellten sich als nicht unbedingt sehens-wuerdig heraus, aber wir genossen es sehr mal aus der Stadt raus zu sein. Wir spazierten in der Festungsanlage herum, machten ein Nickerchen auf der Wiese, aßen Eis in der Fruehlingssonne und sogen die Seeluft tief in unsere Grossstadtlungen. Der groessere Wert der Reise lag in den interessanten und teilweise auch abenteurlichen Begegnungen mit Koreanern, insbesondere aufgrund der fehlenden Englischkenntnisse ihrer- und geringen Koreanischkenntnisse meinerseits:

Die Museumswaechterin
Besorgt um unser Wohlergehen und wohlwissend, dass die Busse auf Ganghwa-do eher selten fahren, telefonierte diese alte Dame uns ein Taxi herbei. Trotz meiner bescheidenen Koreanischkenntnisse haben wir uns verstaendigt und ihr Laecheln ermunterte mich, ein paar mehr Saetze zu probieren. Und waehrend wir in der Sonne auf unsere Mitfahrgelegenheit warteten, bot sie uns ihren guten Instant Coffee an.

Der Taxifahrer
Trotz klarer Anweisungen uns zur Westkueste der Insel zu bringen, versuchte er es mal mit einer kleinen Inselrundfahrt und steuerte den naechsten Palast an. Etwas enttaeuscht ueber unsere Beharrlichkeit, auch was den vorher vereinbarten Preis angeht, fuhren wir weiter. In bester koreanischer Taxifahrermanier trat er ordentlich aufs Gaspedal und jagte uns mit 120km/h durch enge Alleen und bremste vor Hubbeln scharf ab um dann gleich wieder mit quietschenden Reifen durchzustarten. Als Dolmetscherin sass ich auf dem Beifahrersitz und waere vor Angst fast gestorben!

Der Jugendherbergsvater
Unsere Nacht verbrachten wir Ondol in einer voellig lehren Jugendherberge, was wohl an der Jahreszeit liegen muss. Ein bisschen unheimlich, vor allem weil der eigentlich sehr freundliche Jugendherbergsvater und durch seine 5cm dicke Hornbrille anschielte.

Der Restaurantbesitzer
Auf der Suche nach einem Abendessen, fanden wir nur Fischrestaurants. Diese servieren jedoch nur den als Spezialitaet angesehenen und daher sehr teuren rohen Fisch, auf den wir uns eh nicht so ganz einlassen wollten. Kurz bevor wir aufgaben, fand sich dann aber doch ein einladendes Lokal mit erschwinglichen Speisen. Diese waren jedoch aufgrund meines abermals geringen kulinarischen Vokabluars nur schwer zu identifizieren und so gestikulierte ich eine ganze Weile mit dem sehr geduldigen Restaurantbesitzer herum, bis klar war, dass es sich jedenfalls nicht um lebendigen Oktopus handelt. Anstattdessen bekamen wir eine hervorragende Fischsuppe mit vielen aussergewoehnlichen side dishes.

Die Rock-Family
Muede vom Tag, wollten wir nur noch schnell auf eine heisse Schokolade in ein amerikanisch angehauchtest Rock-Cafe einkehren. Als die einzigen Gaeste, trafen wir dort auf einer sehr lustige und gastfreundliche Rockfamilie. Die Mutter fuetterte uns armen Maedchen (soweit weg von zu hause!) mit allem was sie in ihrer Kueche noch so finden konnte. Waehrenddessen unterhielt uns der Vater live mit E-Gitarre und schmetterte ein paar alte Songs von Bob Dillan und den Scorpions. Die Tochter, eine tradtionelle Kuenstlerin, beschenkte uns mit ihren White Day Suessigkeiten und liess uns mal ihre Pinsel und Tusche probieren.

Der Wanderer
Am naechsten Tag, auf unserem Weg zum Bomunsan-Tempel haetten wir lange auf einen lokalen Bus warten muessen. Also fragte ich auf der Faehre einfach eine groesser Reisegruppe im Tourbus, ob sie uns nicht ein Stueckchen mitnehmen koennten. Freundlich wurden wir aufgenommen, mit allerlei Proviant ausgestattet und direkt an unserem Ziel abgesetzt.

Der Moench
Im Bomunsan-Tempel kann man fuer ein paar Won einen Ziegel zum Wiederaufbau mit einer persoenlichen Widmung oder einem gebet beschriften. Roos, Clemence und ich gestalteten einen dreisprachigen Wunschziegel und bekamen dafuer von dem Moench promt eine der koestlichen Nashi angeboten.




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