21. Mai 2008

Coming of Age


Wie Ihr ja alle wisst, bin ich gerade erst zwanzig geworden ^^ und durfte deshalb ehrenhalber an der "Coming of Age Ceremony" vor der Seouler Stadtverwaltung teilnehmen. Diese wird jedes Jahr von der Stadt Seoul ausgerichtet um den alten konfuzianistischen Brauch der Aufnahme von jungen Menschen in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufrecht zu erhalten. Ein paar Internationals und ich wurden zusammen mit ca. 200 Koreaner/innen in ein traditionellles Hanbok gekleidet und festlich hergerichtet. Wie man auf den Fotos sehen kann, wurden meine Haare in eine recht gewoehnungsbeduerftige, koreanische Scheitelfrisur gekaemmt und mit einem roten Band geschmueckt. Wahrend der Zeremonie sassen wir man im Schneidersitz vor kleinen Tischen mit Tee und Reiskuchen. Es wurden verschiedene Verbeugungen und Kniefaelle durchgefuehrt und der Hoehepunkt der Zeremonie bestand darin, dass den Frauen die Haare hochgesteckt werden; ein Zeichen von Reife. Mir wurde die grosse Ehre zu Teil, dass der Buergermeister von Seoul meine Haare hochsteckte. Die Presse war absolut verrueckt und hat sich um die besten Bilder von den Langnasen gerissen. Dabei wurde durchaus gerempelt und geschimpft und ich war so aufgeregt, dass ich nicht wusste ob ich laut lachen oder mich unter dem kleinen Tischchen verstecken soll. Es ist sehr seltsam wie ein Celebrity behandelt zu werden, nur weil man gross, blond und langnasig ist. Ich habe mein Bestes gegeben zwie Stunden lang dekorativ auszusehen und so waren am naechsten Tag auch jede Menge Bilder von mir in den Zeitungen. Es war in jedem Fall eine einmalige Erfahrung und es hat mir sehr viel Spass gemacht mal so ein festliches Hanbok zu tragen.

6. Mai 2008

Come a little closer...


Den freien National Children's Holiday verbrachten Georg und ich im viel gelobten Dragon Hill Spa, eine Art edlem Jimjilbang. Die Bilder auf der Website vermitteln zwar ein etwas uebertriebenes Bild, handelt es sich doch eher um ein Familienbad als um ein Edelspa, aber gefallen hat es uns trotzdem.
Aber vielleicht erstmal von vorne: wie auch sonst ueberall zieht man gleich am Eingang die Schuhe aus und stellt sie in ein kleines Schließfach. Von da an geht es barfuss weiter. Man bekommt eine kurze Stoffhose und ein T-Shirt aus Baumwolle, denn der geschlechtergemischte Bereich wird niemals nackt betreten! Diese fesche Kluft haben wir uns dann angelegt und uns ins allgemeine Treiben gestuerzt. Das Dragon Hill Spa bietet verschiedenste Saunen, wie man sie auch aus Europa kennt. Der Unterschied ist nur, dass man eben die Kleidung anbehaelt, auf dem Boden anstatt auf Baenken sitzt und es auch keine Aufguesse gibt. Eine Eiswasserdusche danach ist auch nicht angesagt, anstattdessene laesst man sich einfach abkuehlen oder betritt den auf 9 Grad gekuehlten Eisraum. Im grossen Relaxbereich liegen steinharte Kissen und Matten aus, auf denen man schlafen kann. Mir gefaellt dieser Teil des Jimjilbangs nicht so, besonders die Klamotten stoeren mich und es ist oft zu laut. Deswegen haben Georg und ich uns nach einem Besuch auf der kleinen Dachterasse in die geschlechtergetrennten Bereiche begeben. Und hier beginnt der spannende und angenehme Teil der Geschichte. So pruede die Koreaner untereinander scheinen moegen, im Frauenbereich fallen alle Hemmungen. Alle laufen nackt ohne Handtuch oder Bademantel herum und man sitzt gemeinsam in verschieden heissen Wasserbecken oder schrubbt sich gegenseitig den Ruecken. Es gibt viele kleine Waschstationen, d.h. eine Marmorbank fuer die Sachen mit einem Duschkopf, einen Hocker zum Draufsetzten und einen Spiegel. Dort geht man wie im guten alten Rom der oeffentlichen Koerperpflege nach. Zunaechst duscht man sich einfach ab und viele Frauen tragen dann zunaechst eine Gesichtsmaske auf. Dann gibt man ein wenig von der eigenen oder oeffentlichen Seife auf einen recht rauen Handschuh und schrubbt sich damit komplett von oben bis unten ab, bis die Haut rosig und weich wird. Manche putzen sich dort auch die Zaehne oder rasieren sich, zuletzt werden die Haare gewaschen. Wenn man es richtig machen moechte, kann man auch eine Ajumma dafuer bezahlen dass sie einen professionell waescht. Erst habe ich mich nicht getraut, aber dann dachte ich, dass das doch eine der elementaren koreanischen Erfahrungen ist und habe mir eine nett laechelnde, kleine Ajumma ausgesucht. Man begibt sich also zu einer der mit Kunstoff bezogenen Liegen und legt sich dort hin - komplett nackt wohlgemerkt! Die Ajumma, welche selbst nicht mehr als ein bisschen Unterwaesche traegt, nimmt dann den rauhesten Waschlappen (den gelben) und schrubbt einen damit von oben bis unten so richtig kraeftig ab. Dabei kommt bei so Langnasen wie mir, die dass noch nie in ihrem Leben gemacht haben, ne ganze Menge alte Haut runter, das ist wirklich unglaublich. Manchmal tut es fast ein bisschen weh aber insgesant ist es ein angenehme Erfahrung von jemand anderem so greundlich gewaschen zu werden. Die Ajumma schrubbt einen wirklich KOMPLETT von oben bis unten und das meine ich woertlich! Danach wurde ich mit dampfend heissen Handtuechern belegt, weich geklopft und komplett mit Aromaoel uebergossen, welches mit kleinen Schlaegen in die Haut einmassiert wird. Man fuehlt sich wie neu geboren, mindestens zwei Kilo leichter und die Haut ist so weich wie seit Babytagen nicht mehr!

2. Mai 2008

Korea Sparkling

Wer etwas ueber die Wuensche, Hoffnungen und Selbstwahrnehmung der Koreaner lernen moechte, dem sein eines der vielen Promotion Videos empfohlen. Die gezeigten Eindruecke sind sicherlich nicht ganz falsch, aber vieles ist doch eher eine optimistische Zukunftsvision als tatsaechliche Realitaet.
Vaeter die mit Ihren Toechtern am Han River Fahrrad fahren und nicht ihrer Frau alle Familienangelegenheiten ueberlassen? Konfuzianistische Tradition und technologischer Fortschritt im Einklang? Fliessender Verkehr und gruene Lungen in der Haupstadt des Smog?



Interessant dass Wirtschaft als erstes Thema so ausfuehrlich behandelt wird. Das spiegelt meiner Meinung nach die "neue" Kapitalismus Orientierung ganz gut wieder. Diese steht jedoch in einem starken Kontrast zu den traditionellen konfuzianistischen Werten, die den Gelderwerb als unwuerdige Beschaeftigung betrachten und sich auf Bildung und soziale Aufgaben konzentriert. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung, der technologische Fortschritt und die rapide Urbanisierung gehen keinesfalls mit einer angemessenen Entwicklung der Kultur und Gesellschaft einher. Korea steckt hier eher in einer Identitaetskrise und muss wohl in den kommenden Jahrzehnten noch fuer sich herausfinden was fuer ein Land es sein will. Denn derzeit ist es vor allem ein Land der steten und schnellen Veraenderung und des Schwankens zwischenTradition und Fortschritt.